Kairos


Kairos
Kai|rọs, der; -, Kairoi […'rɔ̮y] [griech. kairós]:
1. (bildungsspr.) günstiger Zeitpunkt, der für etw. entscheidende, günstige Augenblick.
2. (Rel.) Zeitpunkt der Entscheidung (z. B. zwischen Glauben u. Unglauben).

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Kairọs
 
[griechisch »das rechte Maß«, »der günstige Augenblick«, »der entscheidende Zeitpunkt«] der, -. In der Antike bedeutete der Kairos zunächst (als Adjektiv kairios) »am rechten Platz« (Homer), bei Hesiod dann die zu beachtende Norm der treffsicheren Wahl; später trat das zeitliche Moment stärker hervor. Als subjektiver Zeitbegriff stand er im Gegensatz zum Chronos, der gleichförmig fließenden Zeit. So wurde Kairos zum günstigen Augenblick, der dem einzelnen Menschen schicksalhaft entgegentritt, aber von ihm auch als der rechte Moment sinnvollen Handelns erkannt und genutzt werden muss. In der Existenzphilosophie bedeutet Kairos den Augenblick einer weit tragenden Entscheidung oder das Bewusstwerden der Schicksalsstunde.
 
Im Neuen Testament zunächst Ausdruck für das Bewusstsein, dass »Zeit« dem Willen Gottes unterworfen ist, wird der Kairos zugleich als die Erfüllung der Heilsgeschichte Gottes mit den Menschen hervorgehoben, die nach neutestamentlicher Sicht im Kommen Jesu Christi erfüllt ist. Der Kairos ist die Zeit, in der Gott die Menschen (letztmalig) zur Entscheidung ruft, sein Heilsangebot »jetzt« anzunehmen oder auch abzulehnen (Markus 1,15; 2. Korintherbrief 6, 2). In dieser Entscheidungssituation sind Heil und Gericht bereits gegenwärtig (Evangelium des Lukas 19, 44). Bei S. Kierkegaard wurde der Kairos zum Zentralbegriff des Christentums.
 
 
K., hg. v. P. Tillich (1926);
 S. Kierkegaard: Ges. Werke, Bd. 34: Der Augenblick (a. d. Dän., 1959);
 O. Cullmann: Christus u. die Zeit (Zürich 31962);
 M. Kerkhoff: Zum antiken Begriff des K., in: Ztschr. für philosoph. Forschung, Bd. 27 (1973).

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Kai|rọs, der; -, Kairoi [griech. kairós] 1. (Philos.) günstiger Zeitpunkt, der für etw. entscheidende, günstige Augenblick: Solche Idealität ist die Kehrseite von Sein, Gehalt und K. (Adorno, Prismen 196); (bildungsspr.:) Der Literaturverleger Unseld ... besitze einen „sicheren Instinkt für den K.“ und die Fähigkeit zum „bedenkenlos großzügigen In-Gang-Setzen des zeittypischen Propagandaapparats“ (Spiegel 34, 1982, 166). 2. (Rel.) Zeitpunkt der Entscheidung (z. B. zwischen Glauben u. Unglauben).

Universal-Lexikon. 2012.